ACHIM HEPP
LinkedIn Update: Neue KI Funktion prüft, kürzt und verbessert Beiträge
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LinkedIn Update: Neue KI Funktion prüft, kürzt und verbessert Beiträge

Vor gut zwei Jahren habe ich hier im Blog einen Beitrag darüber geschrieben, warum perfekte KI Texte auf LinkedIn häufig trotzdem nicht funktionieren. Damals war meine Schlussfolgerung ziemlich einfach: KI kann beim Schreiben helfen, aber die eigentliche Aussage, die Erfahrung und die persönliche Perspektive müssen weiterhin vom Menschen kommen.

Inzwischen scheint LinkedIn selbst stärker in diese Richtung zu gehen. Das Netzwerk führt mit dem Post Writing Assistant eine neue KI Funktion für Beiträge ein, die in der aktuellen LinkedIn Hilfe inzwischen Post Proofreader heißt. Anders als frühere Funktionen soll sie nicht einfach einen kompletten Beitrag erzeugen oder vorhandene Texte umfassend umschreiben. Stattdessen geht es darum, einen bereits geschriebenen Beitrag zu prüfen und gezielt zu verbessern.

Das klingt zunächst nach einer eher kleinen Produktänderung. Im Zusammenhang mit LinkedIns aktuellem Vorgehen gegen sogenannten „AI Slop“ wird sie allerdings deutlich interessanter.

Was der neue Post Proofreader kann

Wer einen Beitrag geschrieben hat, bekommt mit dem neuen Assistenten drei Möglichkeiten zur Überarbeitung. Review überprüft Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Shorten versucht, einen Beitrag zu kürzen, ohne dessen Aussage zu verändern. Clarify soll Formulierungen verständlicher und leichter lesbar machen.

LinkedIn zeigt die vorgeschlagenen Änderungen direkt im Text an. Entfernte Passagen werden durchgestrichen, neue Formulierungen hervorgehoben. Über „Apply“ lassen sich die Änderungen anschließend direkt übernehmen. Vorschläge können außerdem verworfen oder neu generiert werden. Die Funktionen beschreibt LinkedIn in seiner offiziellen Hilfe zum Post Proofreader.

Aktuell funktioniert die neue Funktion nur auf Englisch

Ganz fertig ist das Ganze allerdings noch nicht. Der Post Proofreader steht derzeit nur berechtigten Premium Mitgliedern zur Verfügung und unterstützt ausschließlich englischsprachige Entwürfe. Mehrere Funktionen lassen sich außerdem nicht gleichzeitig anwenden. Wer einen Text beispielsweise zunächst prüfen lässt, muss diesen Vorgang abschließen, bevor er ihn anschließend kürzen oder verständlicher formulieren lassen kann.

Für deutschsprachige Beiträge ist die Funktion damit aktuell noch wenig interessant. Da sie auf meinem Account bereits verfügbar ist, konnte ich sie zumindest mit einem englischen Text ausprobieren.

Der Post Proofreader im Praxistest

Für meinen Test habe ich einen englischen LinkedIn Beitrag geschrieben und bewusst einige Rechtschreibfehler, Grammatikfehler und unsaubere Formulierungen eingebaut. Anschließend habe ich denselben Text mit Review, Shorten und Clarify bearbeiten lassen.

Englischer LinkedIn Testbeitrag mit bewusst eingebauten Rechtschreib- und Grammatikfehlern
LinkedIn Post Proofreader mit Review und markierten Korrekturen

Review findet einen großen Teil der eingebauten Fehler. Aus „writen“ wird „written“, aus „the feature only work“ wird „works“ und aus „particular interesting“ wird „particularly interesting“. Perfekt ist die Prüfung allerdings nicht. Die Formulierung „see what LinkedIn actually do with a text“ blieb bei Review beispielsweise unverändert stehen. Richtig wäre an dieser Stelle „does“.

LinkedIn Post Proofreader mit der Funktion Shorten
LinkedIn Post Proofreader mit der Funktion Clarify

Interessanterweise korrigiert Clarify genau diesen übersehenen Fehler. Shorten greift dagegen deutlich stärker in den Text ein und formuliert ganze Passagen kompakter. Aus „At the moment the feature only works with English language posts“ wird beispielsweise das deutlich kürzere „It’s English-only for now“. Die drei Funktionen unterscheiden sich in der Praxis also tatsächlich voneinander.

Mein erster Eindruck: Als Lektor funktioniert die KI ziemlich gut, blind verlassen würde ich mich darauf allerdings nicht. Der übersehene Grammatikfehler bei Review ist dafür ein schönes Beispiel. Und genau diese Rolle als Unterstützung beim Überarbeiten finde ich ohnehin wesentlich interessanter als eine KI, die mir den kompletten Beitrag schreibt.

LinkedIn geht gleichzeitig gegen AI Slop vor

Denn die neue Funktion kommt nicht isoliert. LinkedIn beschäftigt sich seit einigen Monaten sehr offensiv mit der zunehmenden Menge generischer KI Inhalte auf der Plattform und benutzt dafür inzwischen selbst den Begriff AI Slop.

Damit meint LinkedIn Inhalte, die zwar auf den ersten Blick sauber formuliert sein können, aber wenig eigene Perspektive oder Substanz enthalten. Im August hat LinkedIn sogar eine Funktion eingeführt, mit der Nutzer Beiträge und Kommentare als „Seems like AI slop“ melden können. Nach Angaben des Unternehmens wurde diese Möglichkeit bereits innerhalb der ersten zwei Wochen von mehr als einer Million Mitgliedern genutzt. LinkedIn gibt außerdem an, dass die Aufrufe von Inhalten, die als AI Slop klassifiziert wurden, durch die bisherigen Maßnahmen um 40 Prozent reduziert werden konnten. Das Unternehmen erläutert diese Zahlen in seinem Beitrag über LinkedIns Maßnahmen gegen AI Slop.

Bereits im Juni hatte das Unternehmen außerdem erklärt, dass Inhalte, die wahrscheinlich mit KI erstellt wurden und keine klare eigene Perspektive erkennen lassen, weniger wahrscheinlich über das unmittelbare Netzwerk des Autors hinaus verbreitet werden. Damit bekommt der neue Writing Assistant für mich einen ganz anderen Stellenwert.

LinkedIn zieht eine interessante Grenze beim Einsatz von KI

LinkedIn schafft KI beim Schreiben keineswegs ab. Im Gegenteil. Das Unternehmen integriert künstliche Intelligenz an immer mehr Stellen seiner Plattform. Bei Beiträgen scheint LinkedIn aber gerade eine klarere Grenze zwischen KI Unterstützung und KI Content ziehen zu wollen.

LinkedIn beschreibt selbst, dass der bisherige Ansatz „Enhance your post“ durch Werkzeuge ersetzt wird, die sich stärker auf Korrektur und Verständlichkeit konzentrieren sollen, ohne dabei die Stimme des Mitglieds zu verändern. Auch in seinen aktuellen Empfehlungen zum Einsatz von KI formuliert LinkedIn ziemlich deutlich, dass KI beispielsweise beim Verbessern der Sprache, beim Korrekturlesen oder beim Kürzen helfen kann. Der veröffentlichte Inhalt sollte trotzdem die eigene Stimme, Perspektive und Erfahrung widerspiegeln.

Genau an dieser Stelle schließt sich für mich der Kreis zu meinem Artikel von 2024. Mein Problem ist nicht die KI, sondern die Entscheidung, ihr die gesamte inhaltliche Arbeit zu überlassen. Ich nutze KI selbst täglich und selbstverständlich auch beim Schreiben. Sie hilft mir beim Strukturieren, bei der Recherche, beim Kürzen oder dabei, einen Gedanken noch einmal anders zu betrachten. Was ich nicht an sie abgeben möchte, ist der eigentliche Grund für einen Beitrag.

Wenn ich nichts beobachtet, erlebt, ausprobiert oder zu einem Thema zu sagen habe, macht ein perfekt formulierter Text daraus keinen guten LinkedIn Beitrag.

KI als Lektor finde ich spannender als KI als Autor

Nach meinem ersten Test gefällt mir der grundsätzliche Ansatz des Post Proofreaders deshalb sogar noch etwas besser. Ich schreibe meinen Gedanken auf und die KI hilft mir anschließend dabei, Fehler zu finden, einen unnötig langen Absatz zu kürzen oder eine Formulierung verständlicher zu machen.

Natürlich wird das die Menge generischer KI Beiträge auf LinkedIn nicht plötzlich verschwinden lassen. Wer einen kompletten Beitrag von ChatGPT oder einem anderen Werkzeug erstellen lassen möchte, kann das weiterhin problemlos tun und ihn anschließend bei LinkedIn einfügen. Die neue Funktion verhindert also keinen KI Content.

Trotzdem sendet LinkedIn mit der Kombination aus neuem Post Proofreader, der Kennzeichnung von AI Slop und den Änderungen an der Distribution ein interessantes Signal: KI soll Menschen beim Veröffentlichen unterstützen, aber sie sollte nicht der Grund sein, warum überhaupt etwas veröffentlicht wird. Das ist ziemlich genau die Rolle, in der ich KI beim Schreiben selbst am sinnvollsten finde.

Weitere Beiträge zu Strategie, Content und neuen Funktionen findest du auf meiner LinkedIn Themenseite.