30. Juli 2019 Achim Hepp

Bargeldlos auf dem Melt Festival

Dieses Jahr war ich auf dem Melt Festival. Bereits Wochen zuvor bekam ich Mails vom Veranstalter, ich solle doch Geld auf meinen Chip aufladen. Warum? Weil nur damit auf dem gesamten Festival cashless bezahlt werden kann. Also wirklich kein Bargeld und keine Kartenzahlung? Das ist konsequent. Und da ich bereits vergangenes Jahr die W:O:A Card auf Wacken ausprobiert habe, war ich gespannt, wie es auf dem Melt Festival funktioniert.

Ich sollte also Guthaben in meinem Melt Account aufladen. Das Ganze funktioniert zum Beispiel über Webseite mit einer MasterCard oder VISA Kredit- oder Debitkarte. Ich persönlich habe 100 Euro eingezahlt. Dazu sollte es einen zusätzlichen Bonus von 10 Euro geben. Es standen aber auch noch zusätzlich Voucher zur Verfügung wie zum Beispiel 20 Bier vorab bezahlen und 14 Prozent sparen. Sollte nach dem Festival noch Restguthaben auf meinem Konto sein, wird es ein paar Tage später ausgezahlt – natürlich ohne die Bonuszahlungen.

Die Melt App, das Festivalbändchen und der Chip

Beim Check-in tauschte ich mein Ticket gegen mein Festivalbändchen mit integriertem Chip. Nun wurde mein Guthaben mit dem Chip synchronisiert und ich konnte es direkt nutzen – ähnlich einer Prepaid-Karte. Für das Festival gab es auch extra eine App. Wobei der Cashless-Bereich eine kleine Mogelpackung war, weil er mich auf die Webseite lenkte und ich dort wie am Desktop mein Konto aufladen konnte. In der App konnte ich aber zumindest mein Guthaben sehen – zu Beginn also 100 Euro. Die 10 Euro Bonus kommen dann wohl später, dachte ich mir. Für den kompletten Cashless Payment Prozess gibt es auch ein Video, welches alles einfach erklärt.

Der Bezahlvorgang vor Ort war wirklich einfach. An jedem Stand – egal ob Getränke, Essen oder Merchandise – bekam ich ein mobiles Lesegerät an den Chip gehalten. Selbst auf dem Campingplatz konnte ich so seinen Kaffee bezahlen, der von einem Verkäufer aus einem Getränkecontainer auf seinem Rücken ausgeschenkt wurde. Ein Ton und ein grüner Haken bestätigten die Transaktion. Je nach Stand wurde mir auch mal mein Restguthaben genannt oder nur der Zahlbetrag auf dem Lesegerät angezeigt. Da gab es wohl unterschiedliche Anweisungen. Das Getränkepfand wurde über denselben Weg zurückgebucht.

Positiv: Aufladen via App, Webseite oder an den Pop-Up-Stationen auf dem Melt Festival

Wurde das Guthaben knapp, gab es vor Ort über das ganze Gelände verteilt sogenannte Pop-Up-Stationen – oft auch neben Geldautomaten. Das war für mich erst einmal absurd: Menschen hoben Geld ab, um dieses dann nebenan an einem Schalter auf ihr Melt Konto einzuzahlen. Für die Bareinzahlung wurde sogar ein Euro Gebühr verlangt. Dabei konnte man dort auch mit Kredit- oder Debitkarte sein Guthaben aufladen – ohne Gebühr.

Aufladestation auf dem Melt Festival

Aufladestationen waren auf dem Melt Festival zahlreich vertreten, oft direkt neben Geldautomaten.

Den Sinn der Bargeldaufladung kann ich mir nur so erklären, dass die Geldautomaten auch American Express und Girokarten akzeptiert haben. Soweit ich weiß, standen diese Zahlungsmittel zumindest online nicht zur Verfügung.

Negativ: Abbuchungen in der Melt App nicht nachvollziehbar

Als ich am Sonntag meinen Morgenkaffee mobil kaufte, hatte ich noch 4 Euro über. Der Verkäufer sagte mir, dass ich dann ja meine 10 Euro Bonus-Guthaben bekommen würde. Wie er das sehen konnte, war mir nicht klar. Aber da ich eh Geld fürs Essen brauchte, lud ich den niedrigsten wählbaren Betrag von 40 Euro via App auf.

Nachdem ich mir Essen geholt hatte, merkte ich, dass ich die 10 Euro Bonus nicht bekommen hatte. Zuerst vermutete ich, dass es etwas dauern würde, aber bis zum Ende des Festivals ist nix passiert – jedenfalls nach meiner Rechnung. Und da kommt schon ein großer Kritikpunkt. Denn in der App konnte ich nicht sehen, was ich wofür ausgegeben hatte. Es gab also keine Historie der Abbuchungen, sondern nur einen Betrag, der mir noch zur Verfügung stand. Ebenso sah man bei einem Voucher mit zum Beispiel 20 vorab bezahlten Bieren nicht, wie viel schon eingelöst wurde und wie viel noch zur Verfügung stand. Das war blöd und machte alles schwer nachvollziehbar. 

Fazit: Komfort und Sicherheit auf dem Melt Festival

Generell war mir nicht einleuchtend, warum Veranstalter ein eigenes Bezahlsystem via Chip nutzen, wenn fast jeder ein NFC-fähiges Smartphone, eine Kredit- oder Girokarte besitzt. Auf dem Melt Festival habe ich aber den Sinn erkannt. Durch das einheitliche System wird jeder gezwungen, es zu nutzen. Weder Verkäufer noch Festivalbesucher haben ein Problem, weil zu viele unterschiedliche Bezahlsysteme nebeneinander existieren. Damit geht der Bezahlvorgang extrem schnell. Und durch die Kombination des Festivalbändchens, was ich eh die ganze Zeit tragen muss, mit dem NFC-Chip muss ich nicht extra Bargeld oder eine Kreditkarte mit mir rumtragen. Ich kann also nichts verlieren. Und selbst wenn mit dem Bändchen etwas passiert, kann ich den Zugriff des Chips auf mein Konto blockieren lassen – ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor.

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Achim Hepp

#machen | Achim ist Digitalexperte, Autor, Speaker und CDO/Gründer des Startups Virado. Er veröffentlicht Fachbeiträge in verschiedenen Zeitschriften, sowie hält er Vorträge und Workshops zu seinen Themen. In dieser Funktion ist er im In- und Ausland unterwegs, wobei er immer die Augen nach digitalen Trends aufhält.