19. Oktober 2021 Achim Hepp

Anhand von 3 Faktoren den Instagram-Algorithmus verstehen

Kaum etwas wirft so viele Fragen auf wie Algorithmen, die undurchsichtigen Allmächtigen der sozialen Netzwerke. Ich habe mich mit dem Algorithmus von Instagram beschäftigt und die drei wichtigsten Faktoren zusammengestellt, die den Feed beeinflussen.

Weil Instagram nicht nur über einen Feed verfügt, sondern auch eine Explore Page, IGTV oder Reels anbietet, spielen hier verschiedene Algorithmen zusammen. Die gute Nachricht vorab: Sie funktionieren alle nach dem gleichen Prinzip. Nämlich Inhalte bereitstellen, die die User am wahrscheinlichsten interessieren. Ich werde mich aber immer auf den Feed-Algorithmus beziehen, weil ich an ihm am einfachsten die Mechanismen erklären kann, die hinter ihm stecken.

1. Der Interessensfaktor

Der Algorithmus bei Instagram nutzt vier Schlüsselfaktoren, um den sogenannten Interessensfaktor zu bestimmen. Dieser zeigt an, wie wahrscheinlich es ist, dass jemand mit meinem Beitrag interagiert – und anhand dessen wird letztendlich auch die Reihenfolge bzw. das Ranking der Postings im Feed ausgerichtet. Dazu sammelt der Algorithmus Informationen zu folgenden Fragen:

Beitrag: Ist es ein Foto oder ein Video? Um welches Thema geht es? Hat es viele Likes?

Verfasser: Ist er oder sie ein Freund? Posten er oder sie oft?

Eigene Aktivität: Schaut man sich viele Videos an? Mit welchen Inhalten beschäftigt man sich normalerweise?

Interaktionsverlauf: Kommentiert man viele Posts des Verfassers? Gefallen einem viele Postings des Verfassers?

2. Die Proxys

Jeder weiß, dass soziale Netzwerke auf Austausch und Interaktion setzen. Der Feed-Algorithmus von Instagram untersucht daher Schlüsselinteraktionen – die sogenannten „Proxys“. Sie können vom Algorithmus anhand von simplen Fragen untersucht werden. Wenn der Algorithmus zu dem Schluss kommt, dass eine der folgenden Fragen mit „Nein“ beantwortet wird, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass mein Beitrag im Feed meiner Followerinnen und Follwer nicht mehr gut gerankt oder gar nicht angezeigt wird.

Zeitaufwand: Wird man diesem Beitrag Zeit widmen?
Für den Algorithmus ist es zunächst einmal egal, ob es sich bei dem Beitrag um ein Video oder ein Bild handelt. Allerdings widmet man Videos in der Regel mehr Zeit, weil man sie erst abspielen muss, um deren Inhalt zu sehen. So erhöht sich der Zeitaufwand bei Videos automatisch.

Gefällt mir und Speichern: Wie wahrscheinlich ist es, dass der Beitrag einem gefällt und dass er gespeichert wird?
Natürlich hängt das vom einzelnen User ab. Denn wer regelmäßig mit meinen Inhalten interagiert, sie liked oder für später speichert, wird auch eher meine Beiträge in seinem Instagram-Feed sehen als andere.

Kommentar: Wie wahrscheinlich ist es, dass man den Beitrag kommentiert?
Dabei zählt auch wirklich jeder Kommentar als Interaktion – entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass kurze Kommentare mit wenigen Worten oder gar nur Emojis vom Algorithmus nicht beachtet werden. Wichtig ist es, in den Kommentarspalten eine Unterhaltung zu führen und auf Kommentare zu reagieren – das zahlt positiv auf den Interessensfaktor ein. Bots und Fake-Accounts erkennt der Algorithmus mittlerweile sehr gut und straft diese falschen Interaktionen mit einem schlechten Ranking ab.

Profilansicht: Wie wahrscheinlich ist es, dass man sich mein Profil anschaut, nachdem man meinen Beitrag gesehen hat?
Denn nur wer auf mein Profil klickt, kann meine Inhalte abonnieren und dient wiederum als Multiplikator. Denn Instagram nutzt eine Art Prioritätsfaktor, der die Wer-Folgt-Wem-Beziehungen der Profile berücksichtigt. Das bedeutet, dass aktive Follower, die mit meinen Inhalten interagieren, mir dabei helfen, in den Feeds von deren Followern zu landen.

3. Die Zeit

Timing ist bekanntlich alles – so auch beim Algorithmus von Instagram. Dabei gibt es in dieser Hinsicht hauptsächlich zwei wichtige Aspekte zu berücksichtigen, um den Feed-Algorithmus positiv zu beeinflussen:

Aktualität: Bei allen Algorithmen ist es wichtig, wann ein Beitrag veröffentlicht wird. Dabei ist der Feed ja eigentlich alles andere als chronologisch aufgebaut. Das kommt daher, dass der Algorithmus zum Beispiel einen älteren Beitrag vor einem neueren anzeigt, wenn er festgestellt hat, dass dieser Inhalt für den jeweiligen User interessanter ist als neuere Beiträge. Je älter aber der Beitrag wird, umso unwichtiger wird dann auch der Interessensfaktor und neue Beiträge werden bevorzugt.

Regelmäßigkeit: Wenn ich konstant Inhalte produziere, wird mich der Instagram-Algorithmus belohnen. Die Plattform selbst hat auch eine Empfehlung für all diejenigen ausgesprochen, die konstant Followerzuwachs wollen: Zwei Feed-Postings pro Woche und zwei Story-Inhalte pro Tag – das ist doch machbar.

Grundsätzlich können wir aber festhalten: Es ist schon wichtig zu verstehen, wie der Algorithmus auf Instagram funktioniert. Man darf sich aber nicht dazu verleiten lassen, nur für ihn Inhalte zu produzieren. Denn dann läuft man Gefahr, sein Alleinstellungsmerkmal zu verlieren und das schadet dem eigenen Profil. Schließlich sollte man sich nachhaltig eine Community aufbauen, die mit Inhalten interagiert, weil sie diese gut finden und einen Mehrwert daraus ziehen. Unterm Strich macht man schon einiges richtig, wenn man die drei Faktoren beachtet, sie aber nicht als einzige Wahrheit vertritt.

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Achim Hepp

#machen | Achim ist Digitalexperte, Autor, Speaker und CDO/Gründer des Startups Virado. Er veröffentlicht Fachbeiträge in verschiedenen Zeitschriften, sowie hält er Vorträge und Workshops zu seinen Themen. In dieser Funktion ist er im In- und Ausland unterwegs, wobei er immer die Augen nach digitalen Trends aufhält.