19. Januar 2015 Achim Hepp

Bestellen und bezahlen per App im Restaurant BamBoo! in Ahaus

[Dieser Beitrag wurde ursprünglich für das Firmenblog der Digitalagentur malihina medien geschrieben.]

Letzten Sommer tourte die Firma Tobit.Software durch Kinos von 10 deutschen Städten und bewarb ihr Produkt Chayns. Chayns macht aus einer Facebook-Seite eine App für iOS, Android und Windows Phone. Das ist für den Nutzer erst einmal kostenlos und Tobit.Software verdient an Zusatzfunktionen. Im Rahmen der Roadshow wurden diese Zusatzfunktionen vorgestellt. Dabei diente das hauseigene Themenrestaurant BamBoo! in Ahaus als Beispiel für die Möglichkeiten, denn dort probiert und experimentiert die Firma mit den möglichen Technologien am lebenden Gastronomieobjekt.

BamBoo! "Pay by App"-TüraufkleberGrund genug sich dieses einmal vor Ort anzuschauen und zu erleben wie ein Restaurant mit einem modernen Bestell- und Bezahlkonzept via – hauseigener – App funktioniert. Dafür haben wir uns einen Samstagabend ausgesucht, denn wenn es voll und geschäftigt ist kann das App-Konzept seine Stärken bei Bestellung und Bezahlung ausspielen.

An der Tür wird bereits auf die Funktion „Pay-by-App“ hingewiesen. Über den dort angezeigten Link kommt der Gast auf die mobile Version der Webseite des restaurants, von der er auch zur App für das BamBoo! im jeweiligen App Store geführt wird. Zusätzlich gibt es noch den Hinweis auf den kostenlosen Wifi-Hotspot.

Konsistenzcheck im Social Web

Bevor wir aber ins Detail gehen, einmal der übliche Check auf die Konsistenz und Präsenz des BamBoo! im Social Web. Der wichtige Punkt Konsistenz fängt dabei leider schon im Namen an. Eigentlich heisst das Restaurant ja BamBoo!, jedenfalls steht es so draussen über der Tür und auch die App heisst so. Die Facebook-Seite heisst allerdings Bamboo, der Google My Business-Eintrag läuft unter Tobit.BamBoo!. Und laut Facebook-Seite schließt das Restaurant am Samstag um 1 Uhr Nachts, laut Google My Business aber erst um 2 Uhr Nachts. Gucken wir nun einmal bei Yelp und Foursquare. In beiden Verzeichnissen heisst das Restaurant wieder Tobit.BamBoo! und schließt bei Yelp überraschenderweise an diesem Tag sogar schon um Mitternacht. Bei Foursquare sind keine Öffnungszeiten hinterlegt. Insgesamt also ein munteres durcheinander, wobei der falsche Name bei Facebook am meisten überrascht. Schließlich wird aus der Facebook-Seite die App generiert, welche dann auf dem Smartphone wiederum BamBoo! heisst. Wenigstens die Telefonnummer ist überall konsistent, bei Foursquare fehlte sie leider. Wir haben diese und andere eindeutige Informationen dort nachgetragen.

Bestellung via RFID-Karte oder App

BamBoo! Tobit-Karte mit RFIDVor Ort im Restaurant war es sehr voll und wir hatten nicht reserviert. Das hätten wir auch über die App machen können. Glücklicherweise fanden wir aber einen Tisch und bekamen dann die Speisekarte gereicht. Diese war auf mehrere Stoffseiten gedruckt und auf einem dicken Holzbrett festgemacht. Alles andere als digital. Bei der Bestellung wird gefragt ob wir eine Tobit-Karte haben. Dies ist eine Papierkarte mit RFID auf der die Bestellungen gespeichert werden und anhand der hinterher abgerechnet wird. Bei der Erklärung wurde aber nie richtig auf die App hingewiesen, die die Karte dann sogar überflüssig gemacht hätte. So oder so, wir bestellten und das gute und leckere Essen, sowie die Getränke wurden geliefert.

Mittlerweile hatten wir uns auch weiter mit der App beschäftigt und unser Facebook-Profil verknüpft, sowie Geld via Kreditkarte aufgeladen. So wurde die zweite Runde Getränke von uns jeweils direkt aus der App heraus bestellt. Dieses funktioniert nur mit vorhandenem Guthaben, welches dann auch direkt belastet wird. Für die Buchung muss die Tischnummer angegeben werden. In der Roadshow von Tobit.Software wurde damals von iBeacons berichtet, die den Tisch automatisch erkennen. Diese waren leider nicht vorhanden, es war also alles relativ manuell. Da hatten wir mehr erwartet. Ebenso hat sich auch die App nicht verändert, die Bestellfunktion ist bereits daheim aktiv. In der Roadshow wurde das Konzept anders erklärt. Dort wäre daheim nur die Karte einsehbar und sobald der Gast sich im Restaurant befindet, so wird daraus die Bestellfunktion.

 

malihina_medien-BamBoo_screenshot-bestellung malihina_medien-BamBoo_screenshot-bestellung_Heizstrahler

 

Die App ermöglich auch die Buchung bzw. Aktivierung eines Heizstrahlers. Dafür werden allerdings stolze 50 Cent pro 30 Minuten fällig. Die Erkennung des passenden Heizstrahlers war bei der Vorstellung auf der Roadshow ebenfalls via iBeacons automatisiert. Bei unserem Test war es nicht so. Zusätzlich kann ein mobiler Akku für 5 Euro gekauft werden, welcher auch später gegen einen vollen getauscht werden kann.

 

malihina_medien-BamBoo_screenshot-konto_belastet malihina_medien-BamBoo_screenshot-bestellung_angekommen

 

Uns fehlte übrigens eine relative einfache Funktion. Wir hätten gerne via App unsere Bedienung gerufen. Nicht um zu bestellen, denn dieses geht ja einfach via App. Aber manchmal hat ein Gast ja durchaus Fragen rund um die Bestellung oder auch in diesem besonderen Fall zur App.

Bezahlung mit „Pay-by-App“

Durch den Beginn unserer Bestellung mit der Tobit-Karte hatten wir jeweils noch offene Posten, die wir natürlich auch via App begleichen wollten. Schließlich hatten wir mittlerweile ja genug Guthaben. Dazu muss die Karte mit der App verknüpft werden. Das macht der Gast einfach durch Eingaben der Nummer in der App. Da nun die Karte auch Zugriff auf das vorhandene Guthaben hat, so sollte man diese die Karte nicht einfach liegen lassen. Wir haben uns hier auch nach dem weiteren Sinn der Karte gefragt und denken sie ist zumindest ein Backup, welches keinen Strom benötigt. Ist das Smartphone leer oder hat der Gast es gar vergessen, die Karte kann immer noch genutzt werden und auf vorhandenes Guthaben zugreifen.

Trinkgeld kann – in Schritten zu 50 Cent – ebenfalls via App direkt in das Guthaben der jeweiligen Bedienung bzw. jeder anderen Person die an dem Tag im Restaurant tätig ist gebucht werden. Das Personal ist in der App mit den entsprechenden Zeiten aufgelistet, zusätzlich erfährt der Nutzer ob es voll wird an dem Tag. Wir gaben natürlich unser Trinkgeld digital ab und erfuhren in einem Gespräch, dass diese Möglichkeit eher wenig von Gästen genutzt wird.

Restguthaben wird problemlos an der Kasse ausgezahlt. Eine Rückbuchung ist nicht möglich, es gibt also immer Bargeld in die Hand. Hier bricht der schöne digitale Kreis leider etwas.

Unser Fazit

Ganz klar, wir hatten uns mehr versprochen. Besonders mehr Interaktivität und Automatisierung durch iBeacons. Entweder waren das alles nur Konzepte bei der Roadshow und noch nicht implementiert oder es wurde bereits wieder geändert. So ist ist der Bestell- und Bezahlprozess noch etwas händisch und wenig aufregend. Hat der Gast diesen aber einmal verstanden und die App installiert, so funktioniert alles reibungslos und gibt einen guten Blick in die Zukunft und deren Möglichkeiten. Ein Hinweis auf die App in der Speisekarte wäre vielleicht auch hilfreich. Wir waren ja vorgewarnt und informiert, aber sind das normale Gäste auch? Eher nicht.

, ,

Achim Hepp

#machen | Achim ist Digitalexperte, Autor, Speaker und CDO/Gründer des Startups Virado. Er veröffentlicht Fachbeiträge in verschiedenen Zeitschriften, sowie hält er Vorträge und Workshops zu seinen Themen. In dieser Funktion ist er im In- und Ausland unterwegs, wobei er immer die Augen nach digitalen Trends aufhält.