22. Juli 2021 Achim Hepp

Angelique’s Finest: Wenn Kaffee die Blockchain nutzt

Achim Hepp | Blockchain | Angelique's Finest Kaffee

Die Blockchain bietet viele Anwendungsmöglichkeiten. Zum Beispiel bei Ethereum, das gemeinhin als Kryptowährung gilt. Aber im Gegensatz zu zum Beispiel Bitcoin ist es auch eine Plattform, auf der beispielsweise Smart Contracts abgewickelt werden. Diese intelligenten digitalen Verträge sind dank der Blockchain fälschungssicher und validiert. Ein anderes Beispiel sind aktuell gerade digitale Sammelobjekte (Stichwort NFTs), deren Eigentum eindeutig über die Blockchain nachzuweisen ist. Das sind teilweise sehr hochkomplexe Anwendungsfälle, die mithilfe dieser Technologie realisiert werden. Daher habe ich mich sehr gefreut, als ich mit Angelique’s Finest eine greifbare und gut umgesetzte Anwendung der Blockchain – auf Basis der Hyperledger Fabric Technologie – für den Endverbraucher gestoßen bin.

Im Juni hat der Bundestag das Lieferkettengesetz beschlossen. Das Gesetz soll Unternehmen dazu verpflichten, u.a. Menschenrechte in ihrer Lieferkette zu achten und nicht zu verletzen. Aber wie bildet man so etwas fälschungssicher und nachvollziehbar ab? Die Kaffee Kooperative bzw. Angelique‘s Finest in Ruanda hat das schon vor längerer Zeit geschafft. Sie nutzt die Blockchain, um die Lieferkette ihres Kaffees transparent und leicht verständlich darzustellen.

Mithilfe der Blockchain Lieferketten nachvollziehen

Mithilfe der Blockchain Lieferketten nachvollziehenFür den Endverbraucher ist das super einfach: Ich kann also im Laden den QR-Code auf der Verpackung scannen und direkt nachvollziehen, wann und wo die Kaffeebohnen geröstet wurden und wieviel die Produzentinnen für diesen Auftrag verdient haben – und zwar im direkten Vergleich zu den Weltmarktpreisen. Meine gerade angebrochene Kaffeepackung verrät mir, dass die Kaffeeproduzentinnen von Angelique´s Finest pro Container Kaffee mehr als das Doppelte des Fairtrade-Mindestpreises erhalten haben. Und ich erfahre, dass mein Kaffee am 8. Juni 2020 in Ruli, Ruanda, geschält und im März 2021 in Hamburg geröstet wurde.

Bei jedem Produktionsschritt, den der Kaffee von Angelique’s Finest durchläuft, wird über eine individuelle digitale ID auf der Blockchain registriert. Diese ID hält auch weitere Angaben fest wie Ort, Datum und Kaufpreis. So werden innerhalb der digitalisierten Wertschöpfungskette an allen Verarbeitungsschritten Daten in die Blockchain eingegeben und gespeichert. Die Microsite, auf die ich über den QR-Code gelange, präsentiert diese Daten attraktiv und leicht verständlich. Dort sehe ich auf einer Karte, wo die Stationen meines Kaffees waren, lerne die Gesichter der Kaffeeproduzentinnen in kurzen Profilen kennen, kann sogar Feedback zum Produkt geben oder erfahren, wo die Qualität meines Kaffees auf der Skala der Speciality Coffee Association liegt.

Das zusätzliche Plus: Die Technologie ermöglicht die Einhaltung der Sorgfaltspflicht – insbesondere was das Lieferkettengesetz angeht. Super, dass die Blockchain-basierte Rückverfolgungslösung aus Ruanda dazu noch quelloffen ist und so auch andere Händler auf ihr Unternehmen übertragen können. Eine echt spannende Geschichte, auch, weil die Kooperative nur von Frauen betrieben wird und ohne Zwischenhändler funktioniert. Das bedeutet: Die Frauen verdienen einen fairen Anteil an ihrem Produkt und ich als Endkunde kann sogar sehen, wie die Bohnen ihren Weg zu mir fanden.


Transparenz-Hinweis: Angelique’s Finest und ich haben eine Kooperation auf Instagram. Dieser Artikel ist aber nicht Bestandteil dieser Kooperation und gibt meine eigene Meinung wieder.

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Achim Hepp

#machen | Achim ist Digitalexperte, Speaker und Creator. Er veröffentlicht Fachbeiträge in verschiedenen Zeitschriften, sowie hält er Vorträge und Workshops zu seinen Themen. In dieser Funktion ist er im In- und Ausland unterwegs, wobei er immer die Augen nach digitalen Trends aufhält.