18. Juli 2024 Achim Hepp

Digitale Collectibles: Was Unternehmen von der Dortmund Collection lernen können

Sammeln erlebt gerade eine neue Aufmerksamkeit. Klassische Trading Cards, limitierte Editionen und besondere Erinnerungsstücke sind wieder sichtbar und begehrt. Parallel dazu entstehen digitale Collectibles, die diese Sammelleidenschaft in die digitale Welt übertragen. Manche ergänzen einen realen Gegenstand um einen digitalen Zwilling. Andere existieren ausschließlich digital und werden mit Erlebnissen, Vorteilen oder einer Community verbunden.

Für Unternehmen ist das weit mehr als ein kurzfristiger Technologietrend. Digitale Sammelobjekte können Marken erlebbar machen, Zugehörigkeit sichtbar werden lassen und eine Brücke zwischen einem realen Moment und einer langfristigen digitalen Beziehung schlagen. Ein gutes Beispiel dafür ist Uptrip aus der Lufthansa Group. Reisende sammeln dort digitale Karten zu Flughäfen, Flugzeugen, Reisezielen und Fluggesellschaften. Die Karten entstehen aus echten Flügen und lassen sich zu Kollektionen zusammenstellen, die wiederum mit Prämien verbunden sind.

Von der Sammelkarte zum digitalen Erlebnis

Der entscheidende Punkt ist nicht, ob ein digitales Collectible technisch als NFT gespeichert wird. Entscheidend ist, welche Bedeutung es für die Menschen bekommt. Eine Karte kann an einen besuchten Ort, ein besonderes Ereignis oder eine persönliche Leistung erinnern. Sie kann Zugang zu Vorteilen ermöglichen, Teil einer Spielmechanik sein oder eine Verbindung zu anderen Sammlerinnen und Sammlern schaffen.

Gerade in Verbindung mit realen Erlebnissen entsteht ein interessanter Mehrwert. Das physische Ereignis gibt dem digitalen Objekt seine Geschichte. Das digitale Objekt verlängert das Ereignis über den eigentlichen Moment hinaus. Für Unternehmen entstehen daraus neue Möglichkeiten für Kundenbindung, Kommunikation und Community Aufbau.

Die Dortmund Collection zur UEFA EURO 2024

Wie so etwas im Umfeld einer Stadt und eines internationalen Sportereignisses aussehen kann, zeigt die Dortmund Collection. Als Host City der UEFA EURO 2024 veröffentlichte die Stadt Dortmund acht NFT Sammlungen. Sieben Kollektionen standen für die Nationen, die während des Turniers in Dortmund spielten. Hinzu kam eine deutsche Edition. Insgesamt waren bis zu 10.000 digitale Sammelbilder vorgesehen.

Die Gestaltung orientierte sich bewusst an klassischen Fußballsammelbildern. Beim Erstellen eines Collectibles wurden unterschiedliche Merkmale kombiniert. Dazu gehörten Figuren, Hintergründe, bekannte Dortmunder Wahrzeichen und besondere Accessoires. Auch die beiden Dortmunder Botschafter der UEFA EURO 2024, Annike Krahn und Roman Weidenfeller, waren Teil des Projekts. Bestimmte Merkmale konnten zudem mit einem konkreten Nutzen verbunden sein.

Hepp Wiegand / Partner durfte gemeinsam mit der von der Stadt beauftragten Agentur Neovaude an dem Projekt arbeiten. Wir unterstützten die technische Umsetzung und das Marketing. Dabei mussten nicht nur acht Sammlungen vorbereitet werden. Zwei der in Dortmund spielenden Nationen standen erst nach den Playoffs Ende März fest. Gleichzeitig waren die Anforderungen und Freigaben der UEFA zu berücksichtigen.

„Ich bin begeistert, dass eine Stadt wie Dortmund den Weitblick hat, ein NFT-Projekt umzusetzen, das alle Fans bei einem Event wie der EM digital zusammenbringt und sich gleichzeitig als Standort für eine der interessantesten Zukunftstechnologien positioniert. Ich selbst habe mich sofort für Deutschland entschieden und freue mich, mit meinem NFT ein Teil dieser Journey zu sein.“

Anna Graf, Innovation Lead Emerging Tech bei Arvato Systems Bertelsmann

Das Zitat bringt einen wichtigen Aspekt auf den Punkt. Die Sammlung richtete sich nicht nur an Fußballfans. Sie sorgte auch dafür, dass Dortmund außerhalb der Region als Technologie und IT Standort wahrgenommen wurde. Gerade weil viele der Stadt ein solches Projekt zunächst nicht zugetraut hätten, konnte die Initiative ein anderes Bild von Dortmund vermitteln. Menschen in Frankreich, Italien, Portugal, Polen, der Türkei, Albanien und Georgien kamen über ihre jeweilige Sammlung mit der Host City in Kontakt. Die Aufmerksamkeit aus der Web3 Community, aus der Technologiebranche und aus überregionalen Medien machte sichtbar, dass in Dortmund nicht nur über digitale Innovation gesprochen wird, sondern dass konkrete neue Formate umgesetzt werden.

Kommunikation gehört zum Produkt

Ein digitales Collectible erklärt sich nicht automatisch. Deshalb gehörte die Kommunikation von Anfang an zum Projekt. Ich stellte die Dortmund Collection am 30. April 2024 bei der Pressekonferenz der Stadt Dortmund vor. Im Rahmen von DORTBUNT berichteten Daniel Wiegand, Hubertus Heuer und ich in mehreren Formaten über Idee, Gestaltung und Nutzen. Hinzu kamen Podcast Gespräche, Beiträge aus der Community und ein Vortrag in den deutschen Büros von Meta in München. Dort konnte ich die Dortmund Collection vorstellen und zeigen, wie digitale Collectibles reale Ereignisse verlängern, Menschen miteinander verbinden und neue Möglichkeiten für Kommunikation und Kundenbindung schaffen können.

Achim Hepp hält bei Meta in München einen Vortrag über digitale Collectibles

Für uns war es ein besonderes Projekt, weil wir die Dortmund Collection technisch und kommunikativ unterstützen durften. Gleichzeitig zeigte die Resonanz, wie wichtig verständliche Erklärungen sind. Wer Menschen außerhalb einer bestehenden Web3 Community erreichen möchte, muss nicht mit Wallets, Blockchains und Fachbegriffen beginnen. Der Einstieg sollte über das Erlebnis, den persönlichen Bezug und den konkreten Nutzen erfolgen.

Was Unternehmen daraus lernen können

Digitale Collectibles funktionieren besonders gut, wenn sie nicht als isolierte Kampagne gedacht werden. Sie brauchen einen nachvollziehbaren Anlass und einen Grund, warum Menschen sie sammeln möchten. Das kann ein reales Erlebnis sein, eine Serie mit einer fortlaufenden Geschichte, ein sichtbarer Status oder eine konkrete Belohnung.

Unternehmen sollten deshalb zuerst die Beziehung betrachten und erst danach die Technologie auswählen. Welche Erinnerung soll erhalten bleiben? Welche Handlung soll belohnt werden? Welche Community soll entstehen? Und welchen Vorteil haben Menschen, wenn sie nicht nur eine Karte besitzen, sondern mehrere sammeln?

Die Verbindung von analogem und digitalem Sammeln bietet dabei besonders viel Potenzial. Ein physisches Produkt kann einen digitalen Zwilling erhalten. Ein Besuch kann eine digitale Erinnerung auslösen. Mehrere Karten können eine neue Leistung oder Belohnung freischalten. So entsteht aus einem einzelnen Kontakt eine fortlaufende Beziehung.

Die Dortmund Collection war für mich deshalb nicht nur ein NFT Projekt zur Europameisterschaft. Sie war ein praktisches Beispiel dafür, wie Städte und Unternehmen neue digitale Formate nutzen können, um Menschen rund um ein reales Ereignis zusammenzubringen und gleichzeitig Innovationskraft sichtbar zu machen.

Videos und weitere Informationen

Die folgenden Beiträge geben zusätzliche Einblicke in das Projekt, die Pressekonferenz und unsere Auftritte bei DORTBUNT.

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Achim Hepp

#machen | Achim Hepp ist Digitalexperte, Speaker und Creator aus Dortmund. Seine Themen sind LinkedIn, Künstliche Intelligenz, Web3 und digitale Kundenkommunikation. Für Vorträge, Workshops und Projekte ist er weltweit unterwegs. Dabei sammelt er nicht nur Informationen, sondern erlebtes Wissen aus konkreten Begegnungen, Anwendungen und eigenen Erfahrungen. Genau dieses Wissen bringt er in seine Blogartikel, Beratungen und Vorträge ein und zeigt, wie digitale Entwicklungen verständlich eingeordnet und praktisch umgesetzt werden können.