30. Dezember 2019 Achim Hepp

Wieviel Umsatz machen E-Scooter von Circ in Dortmund?

Wie häufig werden E-Scooter in Dortmund genutzt und wie viel kann so ein E-Scooter-Verleiher überhaupt verdienen? Till Klocke hat über mehrere Wochen die Daten von Circ in Dortmund gesammelt und Antworten auf diese und weitere Fragen gefunden. Die spannenden Ergebnisse haben wir uns gemeinsam für ein Video-Interview angeguckt.

Till Klocke von IoT connctd ist auch privat an Data- und Citizen-Science interessiert. Deswegen hat er sich über eine frei zugängliche API die Daten mithilfe der Programmiersprache „Go“ besorgt. Die Informationen hat er zusammengefasst und mit „Air“, einer Sprache für statistische Analysen, ausgewertet. Zwischen dem 2. Oktober und 9. November hat er so insgesamt 2,7 Gigabyte an Daten gesammelt. „Eine verwaltungsangestellten-kompatible Menge“, scherzt Till.

Fahrten, Unique User und Distanzen der E-Scooter in Dortmund

Im Video-Interview erklärt mir Till, was wir aus einem Chart mit drei unterschiedlichen Linien herauslesen können. „Die rote Linie zeigt die Anzahl der Fahrten in Dortmund. Am 26. Oktober fanden fast doppelt so viele Fahrten statt als sonst“, sagt Till und zeigt auf den Peak in der Grafik. „Ein signifikanter Ausreißer.“ Die blaue Linie steht für die Unique Users. „Hieran sieht man, dass es mehr Fahrten als Nutzer in diesem Zeitraum gab. Daraus lässt sich schließen, dass ein Nutzer die E-Scooter in der Regel auch ein zweites Mal am Tag nutzt.“ Orange ist die Anzahl der Scooter, die im Einsatz waren. „Diese Linie ist recht gleichmäßig. Das zeigt, dass Circ die Scooter bedarfsgerecht in der Stadt verteilt und diese gut ausgelastet sind.“

Daten von Circ aus Dortmund in einem Diagramm

Gelb = Fahrten, Blau = Nutzer, Gelb = E-Scooter

Wie lang die Strecke ist, die die Nutzer zurücklegen, kann man nicht aus den reinen Daten lesen.„Ich kann nur sehen, wo Fahrer den Scooter ausleihen und wo sie ihn abstellen.“ Die Distanz zwischen diesen Punkten beträgt im Durchschnitt 400 bis 600 Meter. Ich selbst nutze die Scooter auch sehr gerne. Bei mir gehören sie zum Mobilitätsmix dazu, wenn ich abends in die Stadt möchte oder zum Bahnhof fahren muss. „Die meisten User nutzen die Scooter eher für Spaßfahrten und nicht um von A nach B zu kommen“, fasst Till zusammen. „Dem Verleiher ist es ja egal, wie weit Du mit dem Scooter fährst. Die Dauer wird bezahlt.“

Die Daten verraten durch Korrelationen aber noch mehr. „Ich sehe auch die ID des Users, der den Roller zuletzt genutzt hat“, erklärt Till. „Datenschutzrechtlich sollte Circ darüber nachdenken, das zu ändern. Denn wenn es Unique IDs sind, sind es besonders schützenswerte P2-Daten.“ Theoretisch könnte Till über Korrelationen sehen, wo ein bestimmter User seinen Roller immer wieder abstellt, sich dort positionieren und warten. „Bei einem Bekannten hat das bereits funktioniert“, sagt er. „Dann kann ich ihn tracken und sehen, wann er mit dem Scooter fährt – und vor allem, wohin.“

Geht man weiter in die Tiefe des Datensatzes, sieht man, dass die meisten Fahrten sonntags enden, aber bereits samstags beginnen. Das bedeutet, ein großer Teil der Fahrten wird von Nachtschwärmern durchgeführt. Überraschend ist auch, dass es viele Scooter mehre tausend Minuten ausgeliehen werden. „Das ist aber keine Seltenheit“, sagt Till. „Meistens beginnen diese stundenlangen Fahrten morgens um 6 Uhr und enden um 21 Uhr.“ Ein möglicher Grund: Circ bietet Pakete an, bei dem die User nicht nach Minuten bezahlen. Natürlich ist nicht auszuschließen, dass manche Leute schlichtweg vergessen, sich auszuloggen. „Mich interessiert, wie Circ mit diesen Fällen umgeht. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand über 2.000 Euro zahlt, weil er vergessen hat, einen E-Scooter zu sperren“, so Till. Aus eigener Erfahrung und als regelmäßiger E-Scooter-Fahrer kann ich nur sagen, dass die Unternehmen und gerade Circ sehr fair reagieren.

Wie viel verdient Circ im Idealfall?

Umsatz pro Tag der Circ E-Scooter in Dortmund

Maximaler Umsatz pro Tag (basierend auf den gesammelten Daten)

Ob sich die Roller rechnen, können wir auch aus den Daten ableiten. Denn jede Freischaltung der Roller kostet 1 Euro – ob gefahren wird oder nicht. Hierbei berücksichtigen wir allerdings keine Bonus-Aktionen, Pakete oder Stornos. Wir können aber einen Maximalwert ermitteln. Als Beispieltag haben wir uns den 29. Oktober herausgesucht. An diesem Dienstag gab es 922 Fahrten, die 922 Euro ergeben. Außerdem wurden 31.775 Minuten verfahren, die theoretisch jeweils 20 Cent kosten. Alles zusammen ergibt einen Maximalumsatz von 7.200 Euro an diesem Tag. „Der Umsatz liegt im Durchschnitt eigentlich bei 5.000 Euro“, so Till. Rechnet man das auf einen Monat hoch, erhält man eine stolze Summe und kann erkennen, dass sich das Geschäftsmodell rechnet.

Till will – solange er Zugriff auf die Daten hat – weiter scrapen und die Datenanalyse verfeinern. „Ich kriege für jeden Roller eine individuelle ID“, erklärt er. So kann Till beispielsweise die Lebensdauer eines E-Scooters in Dortmund ermitteln. Man sieht: Die Datenanalyse ist also noch nicht am Ende und ich freue mich schon sehr, mit Till ein weiteres Gespräch zu führen.


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Wer als Neukunde drei kostenlose Entsperrungen für die E-Scooter von Circ haben möchte, der kann dafür meinen Empfehlungscode 7xeryq verwenden. Einfach in der Circ App eingeben und dann viel Spaß beim scooten. 🙂

‎Circ - E-Scooter Sharing
‎Circ - E-Scooter Sharing
Entwickler: LMTS Germany
Preis: Kostenlos

Transparenz-Hinweis: Circ hat mich zum Launch ihrer E-Scooter in Berlin eingeladen und mich für eine Kampagne auf Instagram engagiert. Dieser Artikel ist aber nicht Bestandteil dieser Kampagne und gibt meine eigene Meinung wieder.

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Achim Hepp

#machen | Achim ist Digitalexperte, Autor, Speaker und CDO/Gründer des Startups Virado. Er veröffentlicht Fachbeiträge in verschiedenen Zeitschriften, sowie hält er Vorträge und Workshops zu seinen Themen. In dieser Funktion ist er im In- und Ausland unterwegs, wobei er immer die Augen nach digitalen Trends aufhält.